Brennende Fragen zu Fremdwährungskredit und Tilgungsträger

St.Pölten, 13.06.2013

Brennende Fragen zu Fremdwährungskredit und Tilgungsträger

Fachgruppenobmann Holzer: Experten auf Tournee in NÖ sind ein voller Erfolg!  Zu den Veranstaltungen „Experten auf Tournee 2013“ an zentralen Orten in den niederösterreichischen Vierteln hatten sich über 600 Interessenten gemeldet. Vom Thema „Der Fremdwährungskredit brennt und der Tilgungsträger schmilzt?“ fühlten sich offenbar viele Menschen sehr persönlich angesprochen.

Die erste Veranstaltung am 10.6.2013 im Haus der Wirtschaft in Mödling besuchten rund 200 Personen. Die in Zeitungen und Radiosendern angekündigten Experten ließen interessante Antworten erwarten. Vor allem der international anerkannte Finanzfachmann und Wirtschaftsprofessor der Universität Linz, Univ.Prof.Dr. Teodoro D. Cocca, sowie der aus den Medien bekannte Anlegerschützer Mag. Dr. Wilhelm Rasinger wurden mit Neugier erwartet.

„Fremdwährungskredit – Tilgungsträger“

Moderator der Veranstaltung war Michael Holzer, Obmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der WKNÖ. In seiner Begrüßung hob er die hohen Anforderungen an die Ausbildung und Zulassung von gewerblichen Vermögensberatern hervor. Auch beschrieb er deren Tätigkeit und Einsatz auf Seiten des Kunden. Im anschließenden Fachvortrag wies Holzer, unter Berufung auf Unterlagen der Österreichischen Nationalbank, auf die Position der Banken bei Fremdwährungskrediten hin. Deren Interesse, Ihre Kunden möglichst rasch aus dieser Kreditform zu konvertieren, wurde dadurch einsichtig. Trotzdem sei der Art der Durchsetzung ihrer Wünsche auch durch oberstgerichtliche Entscheidungen Grenzen gesetzt. Die Schlussfolgerung, Kreditkunden wären mit einem gewerblichen Vermögensberater an der Seite bei einem Bankengespräch auf jeden Fall in stärkerer Position, war durchaus nachvollziehbar. Vor Schaden sollte auch der Rat bewahren, dass jeder Kreditfall sorgfältig und einzeln zu beurteilen sei. Rasche Entscheidungen unter Druck würden immer teuer kommen. Der unkontrollierte Wechsel von einem Tilgungsträger, meist Lebensversicherungen, in einen anderen, wäre auf jeden Fall zu vermeiden. Erst eine eingehende Prüfung solle zu einer Entscheidung führen, die auch in eine kreative Lösung münden könnte.

Wohin geht der Schweizer Franken?

Dem sympathischen Schweizer Ökonom, Univ.Prof.Dr. Teodoro D. Cocca, gelang es mit viel Humor auch komplizierte Zusammenhänge durchschaubar zu machen. Selbst Menschen ohne große Finanzvorbildung konnten seinen Analysen folgen. Nach einem Exkurs in die Geschichte der Finanzkrise und einer Analyse der Ursachen zum Höhenflug des Schweizer Frankens legte Cocca dar, welche weiteren Entwicklungen zu steigenden oder fallenden Kursen führen würden. Freimütig gab er zu, trotz umfassenden Wissens keine Kristallkugel zu besitzen, um die Zukunft vorhersagen zu können. In jedem Fall handle es sich um das Abwägen von Wahrscheinlichkeiten.

Verhandlung mit der Bank auf Augenhöhe

KR Prof. Johann Massenbauer, Präsident des Österreichischen Interessenverbands zum Schutz in Geldangelegenheiten (ÖISG), erläuterte dessen Aufgaben und bekräftigte, dass dieser keine Einzelberatungen durchführte. Das wäre Sache der gewerblichen Vermögensberater. Der ÖISG würde jene Fälle, in denen Menschen um Unterstützung zu Problemen mit Finanzinstituten bäten, entsprechend prüfen, zu erfolgversprechenden Maßnahmen raten und diese begleiten. Bei einer Häufung von Fragen zum gleichen Thema könne der ÖISG mit der Kraft eines Interessenverbands besser eine Regulierung anstreben als es der einzelne vermöchte. Massenbauer konnte auf eine Reihe von Erfolgen seit Bestehen des Verbands hinweisen.

Anlegerschutz

Mag. Dr. Wilhelm Rasinger analysierte als Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA) eine große Verunsicherung bei Privatanlegern. Einerseits belaste sie die Sorge über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, andererseits hätten sie tatsächlich oft hohe Verluste erlitten. Letztere, so meinte Rasinger, resultierten allerdings leider oftmals aus sehr persönlichen Fehlentscheidungen. Diese hingen mit mangelnder Erfahrung und eben solchem Fachwissen zusammen. Rasinger forderte von den Wertpapieremittenten daher, ihre Produktangebote entsprechend verständlich und einfach zu beschreiben, bzw. fair zu gestalten. Trotzdem riet er Privatanlegern, sich Unterstützung bei Fachleuten zu holen.

Alternativen zum Sparbuch

Diese gäbe es durchaus, meinte Marius Perger, Herausgeber des Börsen-Kurier. Doch sei die Akzeptanz von Aktien bei Privatanlegern in Österreich nicht eben groß. Dies hänge auch vielfach mit fehlendem Fachwissen zusammen. Perger wies nach, dass der österreichische Aktienindex (ATX) über die Jahre eine positive Entwicklung aufzuweisen hätte. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Aktien um Teilhaberpapiere handle, die den Inhaber wie einen Unternehmer sowohl am Gewinn wie am Risiko beteiligen. Wertpapiere von Firmen mit solider Unternehmensgeschichte und umsichtiger Zukunftsentwicklung würden jedoch mehr Gewinne erwarten lassen als jedes Sparbuch.

Fragen aus dem Publikum

Viele Fragen an die Vortragenden zeigten das große Interesse des Auditoriums an den ausgewählten Themen. Besonders oft wandten sich Gäste an Prof. Cocca. Geduldig ging er auf Zukunftsfragen zu den Währungen und der EURO-Zone ein, beteuerte aber stets lächelnd sein Unvermögen in die Zukunft zu blicken. Beim anschließenden Buffet standen heftig diskutierende Gruppen noch lange beisammen. Dabei war zu hören, dass fast jeder neue Erkenntnisse aus der Veranstaltung mitgenommen hatte.

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